Kommentare 5

19. a friend of the devil is a friend of mine…

nnn

Boygroup pussy smiling after reciving his tatoos

 

…da war es mal wieder dieses boese Gefuehl, das sich hin und wieder in meinem kleinen Hirn breit machte?! Viele Menschen schieben solch boese Gedanken ja gerne auf ihre verkorxte Kindheit – ich sehe es aber eher als eine Reflexion meiner erlebten Realitaet. Ich war an diesem Morgen scheinbar mit dem falschen Fuss aufgestanden, ich befand mich in Siem Reap/Kambodscha, einer der Touristenhochburgen hier in Suedostasien. Ich war gerade auf dem Weg zu einem passablen Fruehstuecksplaetzchen und war bei jedem Schritt zunehmend genervter von all diesen ganzen Farangs (Langnasen), die sich hier tummelten wie Fliegen um ein Stueck Scheisse.

 Siem Reap ist Ausgangsort fuer eines der groessten architektonischen Wunder unseres Planeten! Die Khmer Tempelanlage Ankor Wat, die vor einigen Jahren auch als Kulisse fuer die Hollywoodproduktion Tomb Rider mit Angelina Jolie in ihrer Rolle als das Superweib Lara Croft diente. Seit einiger Zeit kann man sogar vom ehemaligen Travellerkleinod Koh Samui in Thailand (o.k. das ist schon ne Weile her!) direkt nach Siem Reap fliegen.  Die Stadt versinkt im Tourismus, sie besteht quasi nur noch aus Hotels, Restaurants, Bars, Souviniershops, Travellagencies und sonstigen Schnickschnack.

 Zurueck zu meiner aufsteigenden Boshaftigkeit: Ich hasste Sie alle an diesem Morgen: die Tuk-Tuk driver und  Moto-driver, die einen staendig vollquatschten, die Bettler die sich hier aus allen Landesteilen versammelten um die Hand aufzuhalten. Vor allem aber waren es die vielen Touristen, die mich nervten – dabei war ich selbst einer von Ihnen! Ich konnte es nicht mehr ertragen dieses elende Pack! Die schlecht gekleideten Pauschaltouristen, die ausehen wie Rentner die Florida gebucht und sich verlaufen haben; die digitalisierten Grosswildjaeger mit ihren ueberdimensionalen Kameraobjektiven, die vor nichts halt machten, aber von nichts ne Ahnung hatten. Die fetten Sextouristen mit ihren Schweissperlen auf der Stirn; die neokapitalistischen verlogenen Twentysomethings in ihren Che Guevara T-Shirts und dem Handy am Ohr; die zittrigen Rentner, die sich hier immer mehr breit machten – da ihre Rente im eigenen Land nichts mehr wert war – und…O.k., O.k. ruhig Blut Brauner, halte deinen Zorn im Zaum!

Fast jedes Lokal hier in Siem Reap war mittlerweile im Besitz eines dieser Silberlocken, die Einheimischen durften in diesen dann fuer 30 US Dollar im Monat die Drecksarbeit erledigen. Der Altersunterschied zu ihren einheimischen Frauen betrug nicht selten weniger als 40 Jahre. Und so sollte es auch sein, da war man sich in der eingeschworenen Gemeinde schon einig. Ich sass so manches Mal an solchen Tischen und habe ihre Gespreache belauscht, waehrend das Pack abgedroschen vor sich hin jauchzte, lachte und ueber Erziehungsmassnahmen ihrer Geishas diskutierte! Vor allem aber ging mir an diesem Morgen eines auf den Keks: Der konventionelle Backpacker!

Mich ueberkam mittlerweile immer mehr das schleichende Gefuehl, dass diese alle uniformiert bzw. geklont waren! Mann/Frau traegt entweder ein Che Guevara – Beer Lao – oder – Danger Cambodia Landmines – T-Shirt. Man befand sich schliesslisch in einem gefaehrlichem Land und das sollte jeder wissen. Fuhr aber letztlich in klimatisierten Bussen nichts anderes als die Lonely Planet Route ab. Der groesste Witz waren aber die „Same Same – But Different“ T-Shirts, dass fast jede(r) 2te traegt. Ironie des Schicksals, wo sie doch fast alle gleich waren! Kultur, das Verborgene, das noch zu Entdeckende interessierte den durchschnittlichen Backpacker wenig – man war unterwegs, weil es, wie heisst es so schoen, „On Vogue“ ist. Einige behaupten gerne, es solle gut fuer die Karriere sein mal die Welt mit anderen Augen gesehen zu haben – in meinem Fall trifft das wohl nicht mehr zu!

boygroup pussy example 2

boygroup pussy 2

Der herkoemmliche Backpacker wird vielmehr gereisst als das er reiste und merkte dies noch nicht mal, wenn er sich abends in seiner Langeweile dumpf die schlechten Hollywoodvideos und Seifenopern in den Guesthouses oder Videobars anschaute. „Desperate Houswifes“ und Sex in the City“ und solcher Quatsch standen ganz oben auf der Liste. Der Rucksack wurde mittlerweile nicht selten vom Trolley abgeloest, die Maedels tragen pinkfarbene Miniroecke, sexy Tops und Stoeckelschuhe….alles ist schick und fein. Der gewoehnliche „Packer“ wie er etwas abfaellig von den sog. Expat’s (obwohl die auch keinen Deut besser sind!) bezeichnet wird, hat ,wie bereits erwaehnt, gerne sein Handy am Ohr (mit wem telefonieren die eigentlich immer?), spielt abends Counterstrike und andere Videogames im Internetcafe und traegt vor allem gerne seine Tattoos als Trophaehen seines abenteuerlichen Lebens zur Schau. Das Tattoo schaut dabei in der Regel neckisch – fast wie zufaellig – unter dem T-Shirt Aermel oder an anderen Stellen hervor, die Dame traegt es gerne auf der Schulter, dementsprechend ist das Top auch geschnitten.
 Immer beliebter wird es in den letzten Jahren auch, den ganzen Arm bis zum Handgelenk mit Taetowierungen in bunten Farben zu versehen -„Hillybillystyle“ hab ich mal irgendwo gelesen nennt sich dieser Quatsch?! Anthony Kidies, was hasst du da bloss angerichtet, alle folgen dir auf der Suche nach ein wenig Individualitaet wie einem Hirten! Die Gegenbewegung, sprich die Laserindustrie, die irgendwann kommen wird bzw. schon existiert wird es dir aber nochmal danken und viel Geld damit verdienen! Warum gibt es bloss noch kein T-Shirt „I hate Tattoos“ – ich wuerde es mir sofort kaufen. Der herkoemmliche Packer laesst sich in mehrere Kategorien einteilen: Besonders aufaellig und haeufig tritt hier die „Boygroup-Pussy“ in Erscheinung – ein Begriff, den ich neulich aus einem alten Spiegelinterview von dem schwarzen Rapper 50 Cents (das ist dieses ekelhafte Muskelpaket mit den fetten Ringen an seinen Wurstfingern, dass staendig damit herumprahlt, das es neun Pistolenkugeln ueberlebte) uebernommen habe, als er sich ueber Justin Timberlake aeusserte. Wenn ich nur einmal amerikanischer Praesident waere, wuerde ich als erstes diese ganze Hip-Hop Scheisse verbieten – dieses ganze Gejammer ueber die Ausbeutung, die man immer noch nicht verarbeitet hat – aber dann in den Videos mit fetten Schlitten und aufgedonnerten Tussies durch die Strassen amerikanischer Metropolen cruisen usw….fuerchterlich! Hip-Hop, i am really sorry, ist fuer mich die duemmste und widerspruechlichste Erfindung der Popkultur. Aber auch diesbezueglich gibt es leider noch keine Anti T- Shirts!
bagpacker enjoing a daily soap in a videobar in Vang Vieng; Laos

Bagpackers enjoing their daily soap in a videobar in Vang Vieng; Laos

  Zurueck zur Boygroup-Pussy, sie kommt seltsamer vor allem aus dem Vereinten Koenigreich (d.h. nicht das ich Briten nicht mag), oft aber auch aus dem skandinavischen Raum oder aus Israel. Sie traegt bevorzugt 3/4 lange Army oder Hawai-Shorts und bevorzugt, wie der Begriff als solches schon impliziert, eine gegelte oder hochtoupierte Boygroupfrisur im Stile etwas aelterer Bands wie Take That oder Boyzone. Die Boygroup-Pussy ist in der Regel recht trinkfest und laut, dabei aber nicht unbedingt unfreundlich! Kultur interessiert sie nicht, man unterhaelt sich uebers Shopping, wo man als naechstes hinfaehrt oder wie teuer das „Around the world ticket“ war oder auch nur ueber den Pfannekuchen an der naechsten Strassenecke. Alles ist great, awesome oder nice: spezifischere Beschreibungen von Eindruecken gibt es in der Regel nicht.

 Neulich sass ich in Battambang, der zweitgroessten Stadt Kambodschas, mit 6 solcher Pussies an einem Tisch beim Abendbrot – sie langweilten mich, um es milde auszudruecken zu Tode, aber ich wollte der Sache eine Chance geben. Wir tranken Bier und rauchten Zigaretten. Meine Sorte nannte sich Alain Delon. Um die Unterhaltung mal in eine andere Richtung zu lenken, fragte ich ob den der gute alte Mr. Delon wohl wuesste, ob es hierzulande eine Zigarettensorte mit seinem Namen gaebe? Alle schauten mich verdutzt an und fragten mich, wer denn Alain Delon sei?! Versteht mich nicht falsch, ich glaube nicht, dass es notwendig oder wichtig ist, im Leben Alain Delon zu kennen. Wenn aber 6 Westler gleichzeitig diesen Namen noch nie gehoert haben, gibt mir das wirklich zu denken! Neulich fragte mich sogar eine Kanadierin was fuer eine Sprache wir in Deutschland sprechen! Und ein Deutscher mit schlechten Zaehnen, den ich in Suedthailand bei einem Bier kennenlernte fragte mich ob den Malaysia im Norden oder im Sueden von Thailand laege!
the Bruce Willis type

die Bruce Willis Variante

O.K. soweit so gut, kommen wir nun zur zweiten Spezies unter diesem Touristenpack, eine Variante Mensch, die uebrigens auch in der Deutschen Republik immmer haeufiger aufzutreten scheint. Ich nenne sie die Bruce Willis Variante: der Willis-Typus traegt wie sein „Rollenmodel“ gerne Glatze, nicht zuletzt natuerlich wegen seines ueberhoehten Testosteronspiegels! In der Regel stammt er seltsamer Weise auch oft von der Insel, traegt gerne Armyklamotten und Tattoos und vor allem…

?!!! AAehhhhhh! CUT!!

 Mittlerweile sitze ich in einem kleinen netten Cafe und mein Adrenalinspiegel hat sich weit abgesenkt. Um die Ecke bog gerade eine alte schwarze 190er Mercedes Heckflosse, schaetze mal so Baujahr 68. Herrlich! Oder war es eventuell der Farang, der mit seiner huebschen Khmer auf dem Sozius soeben auf seinem Motobike an mir vorbeirauschte, der mich aus dem Konzept brachte? Die Boshaftigkeit hat nachgelassen, ich fuehle mich besser und kann nicht mehr weiterschreiben! Wie sang noch mal John Lennon

„All you need is love“ dab da dab da dab……………..

5 Kommentare

  1. Olivier sagt:

    Hi,

    hoffe dir gehts bestens, ausserdem hast du wieder ein paar geile reports abgegeben, sehr erfrischend im Vergleich zu den meisten anderen (darunter auch meinen) reinen Tatsachen und Routenbeschreibungen. Am liebsten waere ich auch wieder unterwegs, insbesondere wenn ich die Berichte derer lese, die noch cruisen.

    Wuensch dir weiterhin alles Gute auf deiner Tour, wo bistn grad?

    18. Januar 2008 02:32

  2. Olivier sagt:

    Hallo Olivier,
    vielen Dank für die treffende Darstellung der Backpackerszene in Asien (sie erinnerte mich sehr an meinen Baliurlaub vor ein paar Jahren). Allgemein gefällt mir Dein Schreibstil sehr gut: informativ, kurzweilig, unterhaltend. Du solltest das mal als Buch rausbringen. Komme gerne wieder auf Deinen Blog

    13. Januar 2008 23:06

  3. anonym sagt:

    boccioni hat gesagt…

    ey oli, ich weiss gar nicht, was ich sagen soll, aber dein blog einfach grossartig. entschuldige, dass ich erst jetzt die zeit gefunden habe, mich damit zu beschäftigen. Goldwert. Echt. oh mann, zum thema zeit und burroughs und so, ich kann grad in keinem raum, so richtig spuren hinterlassen, bei mir hat grad alles eine geschwindigkeit von, zu schnell auf jeden fall. zum glück finde ich meinie inseln. übrigens viele grüsse von steffen. naja, aber eigentlich wollte ich dir vor allem ein wunderbares jahr wünschen. und lebe weiterhin gut und sterb möglichst spät und wenn dann, ein tod, der für dich angemessen ist und ich würde mir wünschen, dass wir uns vorher nochmal wiedersehen. und das es schön sein wird, wie es immer war. reisen verändert. oli, echt,ich glaube, ich kann mir gut vorstellen, wie hart es auch manchmal sein muss oder ist, aber dein – wie soll man sagen – dein kerouasomething und die dazugehörige virtuelle reflexion wird überhautp dein lebensprojekt sein. naja, ich hoffe, das klingt nicht so oberschlau, aber ich bin wirklich begeistert, gute bilder, guter text, gute gedanken eben. eben oli, man schreibt eben und nicht ebend! ich hoffe, du lachst…naja, ich bin ja jetzt schon eine weile in zürich. studiere in leipzig. bin immer am wochenende dort, also einmal monatlich vielmehr. lerne viel und erfreue mich am wissen zur stadtentwicklung, entstehen, soziologischen zusammmenhängen, ökonomischen natürlich auch. und steffen ist seit september mit mir hier in zürich. alles in allem sehr schön. wenn nicht immer arbeiten angesagt wäre oder ständig in minimaler zeit weite distanzen zu überwinden. die abschliessenden worte, die auch nochmal extra entschuldigen sollen, wie rar das kostbare gut ist und das schreiben dann schwer oder ausfällt, aber gesprochen haben wir oft von dir. alle, die du so aus dem klostergang kennst. die damen im besonderen 😉

    15. Januar 2008 14:15

  4. anonym sagt:

    angelina hat gesagt…

    oh, nee olli, jetzt habe dir anderthalbstunden was geschrieben und es ist – weg!!! man, also kurzversion: sorry, grossartig, denke an dich und hoffe, es bleibt schön und es es wird, schön, wenn wir uns wiedersehen. etwas ausführlicher. dein block ist echt goldwert. beindruckende bilder,stimulierende texte, gute gedanken eben. oh mann, ich hatte dir soviel zu erzählen, ich hoffe, ich finde bald noch mal die nötige zeit, sitze seit ca. acht monaten in einer art d-zug. soviel zu burroughs.drück dich

    15. Januar 2008 14:22

  5. anonym sagt:

    angeln mit ina hat gesagt…

    ääääääääääääää, erst lesen, dann denken! und handeln! viele grüsse in den osten. es grüssen dich zwei trottel, aber liebenswerte, aus zürich und winken dir freundlich zu!

    15. Januar 2008 14:24

Schreibe eine Antwort